Die schlechte Nachricht vorweg – dieses Leipziger Derby 2013 forderte Menschenleben! Auf der Autobahn 14 in Richtung Leipzig sind bei einem Verkehrsunfall nahe der Abfahrt Döbeln-Ost am Mittwochnachmittag zwei Beamte der Bereitschaftspolizei ums Leben gekommen, drei Beamte wurden schwer verletzt. Die Polizisten waren von Dresden aus in Richtung Leipzig unterwegs, um das Fußballspiel zwischen RasenBallsport Leipzig und dem 1. FC Lok Leipzig abzusichern.
Dass es dann am Einlass zum Block A (Familienblock) keine weiteren Tote und Verletzte gab, grenzt dabei schon fast wie an ein Wunder. Denn hier spielten sich, nachdem das Spiel im Zentralstadion bereits zehn Minuten lief, unglaubliche Szenen ab. Während die Security immer noch penibel in kleinen Gruppen die Menschenmassen vor dem Stadion am Einlass kontrollierte, kämpften hier Familien mit Kindern ebenfalls um ihr Leben. Sie wurden nämlich gegen einen zusätzlichen Absperrzaun gedrückt und schrien förmlich vor Angst und fehlendem Sauerstoff. “Diese Anweisung kommt von oben”, so ein völlig überforderter Security-Mitarbeiter gegenüber Ostfussball.com. Als dann 18.20 Uhr freundliche Familienväter plötzlich auch zu aggressiven Hooligans werden, öffnet man endlich die Tore und verhindert eine völlig unnötige Massenpanik.
Die gesponserte Red-Bull-Choreo im Stadion sehen daher nur ganz wenige Zuschauer. Doch die rot-weißen Plastesäcke lassen zumindest erahnen, dass hier etwas ganz Großes und Tolles in der RasenBallsport-Kurve stattgefunden hat. Sympathische Sprüche wie “Tradition muss man sich erstmal leisten können!” runden anschließend diese Choreo-Aktion noch etwas kreativer ab. Die Zuschauer im Familienblock A applaudieren dazu lautstark und freuen sich gemeinsam mit ihren “Fans” im Block B über so viel geistigen Tiefgang. Auch die Modemarke Thor Steinar ist hier in den roten und weißen Vereinsfarben im A-Block von Red Bull der absolute Renner, obwohl doch ausdrücklich ein Verbot im Vorfeld dieser Partie ausgesprochen wurde.
Auf dem Spielfeld wehren sich derweil tapfere Lok-Spieler gegen sichtlich lustlose RB-Legionäre, wenn man einmal vom Stürmer Stefan Kutschke absieht. Dieser wechselt ja bekanntlich in der nächsten Spielzeit zum VfL Wolfsburg II, wo wir ihm schon heute viel Erfolg wünschen. Nach 90 Minuten steht es im Leipziger Zentralstadion dann auch völlig verdient 0:0-Unentschieden. Fast wäre gar noch der Supergau gelungen, wenn der Schiedsrichter auf Elfmeter gegen die millionenschweren RasenBallsportler direkt an der Strafraumgrenze entschieden hätte. Und so feiern die Fans aus Probstheida nach Spielschluss noch lange gemeinsam mit ihren Spielern, während die RB-Fans teilweise schon zehn Minuten früher das Stadion verlassen haben. So kann man trotz des Unentschiedens von einem Sieg für den 1. FC Lok Leipzig sprechen, welcher hier an jenem Tag jede Menge Sympathie und Applaus vom Leipziger Publikum geerntet hatte.
[ab]