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DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 9

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Freundschaften und Feindschaften in der DDR -

In puncto Fanfreundschaften unter Fußballfans verschiedener Vereine in der Deutschen Demokratischen Republik der achtziger Jahre gibt es nicht sehr viel zu berichten. Einige Anstrengungen wurden zwischen der BSG Chemie Leipzig und dem 1. FC Union Berlin, der BSG Wismut Aue und der BSG Chemie Leipzig, der SG Dynamo Dresden und FC Hansa Rostock sowie Rot-Weiß Erfurt und dem 1. FC Magdeburg unternommen.

So richtig intensive Techtelmechtel, wie heutzutage viele Ultragruppen miteinander pflegen, gab es jedoch zur damaligen Zeit nicht. Jeder machte im Prinzip seinen eigenen Stiefel, denn der Hass und die Rivalität  untereinander war einfach zu groß. Oftmals hielten gerade neu entstandene  Freundschaften bis zum nächsten Aufeinander-Treffen, da es keine klaren einheitlichen Strukturen innerhalb der jeweiligen Fanszene gab. Die Meinungen dazu gingen oft weit auseinander. Einige weitere kleinere Kontakte wurden meist nur von bestimmten Personen oder Gruppen innerhalb der Szene getragen, dabei aber von Fan-Freundschaften zu sprechen, wäre sicherlich zu weit her geholt. 

Selbst innerhalb der Szene gab es in den verschiedenen Fanclubs oftmals böse Auseinandersetzungen, die mit schlagkräftigen Argumenten ausgetragen wurden. Ebenso wie auf nationaler Ebene herrschte intern das Gesetz des Stärkeren und der Masse, wenn es Meinungsverschiedenheiten gab. Gab es Feindkontakt zu Fans anderer Vereine, stand man wieder geschlossen oder rannte gemeinsam.

Foto: super-blau-weiss.com

Foto: super-blau-weiss.com

Der meist verabscheute Verein in der DDR war natürlich der BFC Dynamo samt seinen Anhängern. Der Stasi-Minister Mielke hatte großen Anteil daran, dass die Weinroten überall mit gandenloser Wut und Verachtung in jedem Stadion der DDR empfangen wurden. Mit Hilfe der gekauften Schiedsricher gelang es zu offensichtlich, den BFC Dynamo insgesamt zehnmal zum DDR-Oberliga Meistertitel zu schieben.  Oft gelang es auswärts nur mit massivem Polizeischutz die Fangemeinde der “Biften” vor den wütenden Mobs zu schützen.

Aber auch sonst gab es regelrechten Kriegszustand zu bestimmten Spielen und Derbys. Natürlich zählte das Berliner Derby zu einem der größten Hassduelle in der damaligen DDR, aber auch zwischen Jena und Erfurt, Dresden und Magdeburg, Lok und Chemie Leipzig oder Karl-Marx-Stadt gegen Aue musste man oftmals mit dem Schlimmsten rechnen. Nicht selten kam es schon während solcher Spiele zu Blockstürmen.

Nach den Partien wurden regelrechte Schlachten auf den Straßen untereinander ausgetragen, die gelegentlich mit schweren Verletzungen durch Stein oder Flaschenwürfen für einige Fußballfans im Krankenhaus endeten. Fast immer wurde sich aber an den Ehrenkodex für bereits am Boden liegende Verletzte gehalten. Ein paar durchgeknallte Leute, die nicht wissen wann Schluss ist, gibt es glaub ich, in jeder Zeitepoche – so auch damals. Im Großen und Ganzen beschränkte sich der Kleinkrieg aber lediglich auf das Klauen von Schals oder Fahnen. Die Subkultur der Hooligans bildeten sich erst Ende der 80iger Jahre in der DDR. Mit dieser Entwicklung hatten jedoch jene Aktivitäten im Jahre 1980 noch nichts zu tun.

[ab]

Alle bisherigen Beiträge unserer Reihe können hier gelesen werden :

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 8

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 7

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 6

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 5

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 4

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 3

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 2

DDR-Oberliga vor 30 Jahren # 1


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